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Ich
- Gesundheit, Seele, Schönheit |
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Entspannung |
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Schwerelos auf der Erde |
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Jörg Plath
Ein Gebilde wie aus einem Science-Fiction-Film, eine längliche Plastikhalbkugel mit aufgeklappter Einstiegsluke. Wer einsteigt, taucht in wunderbar warmes Salzwasser. Die Reise kann beginnen.
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Die Zeit wird bedeutungslos |
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Der Deckel hat sich, kaum hörbar, gesenkt. Es ist still. Noch einmal öffne ich die Augen. Ein warmes, dezentes rotes Licht hüllt mich ein. Dann höre ich Musik. Die Finger des Pianisten streicheln die Tasten eines Flügels. Ich senke meinen Kopf, tauche ganz ein und schließe die Augen. Nur für Minuten spüre ich noch das wohlig warme Wasser, das mich sanft trägt. Die Musik wird leiser, verstummt schließlich. Die Gedanken fangen an zu kreisen, werden irgendwann bedeutungslos. Körper und Seele schweben. Die Zeit verliert ihre Dimension.
Von weit her ist eine sanfte Stimme zu hören. Sie erinnert daran, aufzuwachen. Nur noch wenige Minuten. Wieder kreisen Gedanken. Der Deckel des Floating Tank öffnet sich langsam. Die irdische Schwerkraft hat mich wieder. Wirklich? Es ist nur eine Stunde vergangen. Mir kam es vor, wie eine erholsame Nacht - wie eine kleine Ewigkeit. |
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Eine Idee aus Amsterdam |
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Barbara Thieme ist Geschäftsführerin des "Float-Center" in der Kronenstraße, nahe dem Gendarmenmarkt in Berlins City. Die Idee kam ihr, nachdem sie 1998 als Touristin erstmals ein Float-Center in Amsterdam besucht hatte. "Fantastisch - da müssen die deutschen Manager rein", dachte sich Barbara Thieme. Sie muss es wissen. Als ehemalige Unternehmensberaterin im Bereich Kommunikation kennt sie das Managerleben - viel Stress und wenig Entspannung.
Sie hängte ihren alten Job an den Nagel und machte sich selbständig. Aus Eigenmitteln finanzierte Barbara Thieme das deutschlandweit erste Float-Center - in einer der teuersten Gegenden der Hauptstadt. "Der Ort ist bewusst gewählt, wegen der Qualitätsebene", sagt die Frau mit den lockigen, rotbraunen Haaren. Rund um die Friedrichstraße sind die Menschen zu finden, die im Job eingespannt sind und Geld haben. |
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Das Tote Meer inmitten Berlins |
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Eine Stunde im Wasser. Wer denkt da nicht an die heimische Badewanne, an aufgequollene Haut. Nichts für den entspannt wirkenden Teint. Nicht so im Floating Tank. Ein feiner, öliger Film umgibt die Haut, kaum spürbar. Er verhindert das Austrocknen - wie im Toten Meer.
Verantwortlich dafür sind die vielen Mineralien im Bittersalz, teilweise auch Epsomsalz genannt. Etwa 300 Kilogramm Salz sind in 600 Litern Wasser gelöst. Die Wirkung des Bittersalzes ist seit Jahrhunderten bekannt und wird zur Behandlung von Hautkrankheiten benutzt. "Bei leichter Neurodermitis zeigen sich sehr positive Reaktionen", bestätigt Barbara Thieme.
Das Wasser im Floating-Tank hat eine konstante Temperatur von circa 36 Grad Celsius und damit praktisch Körpertemperatur. Gefiltertes Sonnenlicht 400 Meter unter dem Meeresspiegel und eine pollenfreie Luft wie am Toten Meer lassen sich zwar nicht reproduzieren. Das Wasser kommt dem aber schon sehr nahe. |
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Die Reise ins Ich |
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Floating ist nicht neu. Es wurde bereits 1954 vom amerikanischen Arzt und Gehirnforscher Dr. John C. Lilly in Kalifornien erfunden. Zunächst forschte Lilly über Delfine und deren Sprache. Darüber hinaus leitete er Forschungsprojekte auf den Gebieten Biophysik und Neurophysiologie. Mit Hilfe seines Floating Tank in Verbindung mit LSD versuchte er in Selbstversuchen, die menschlichen Bewusstseinsebenen zu erforschen.
Die Faszination der Schwerelosigkeit, die von seiner Erfindung ausging, wurde in Forschungsprogrammen, unter anderem bei der amerikanischen Weltraumbehörde NASA, mit einbezogen und getestet. Bereits damals erkannte man, dass Floating Tanks für Stressreduktion, Verhaltenstherapie, aber auch die Behandlung chronischer Schmerzen geeignet waren. Lange Zeit hatten vor allem Esoteriker den Floating Tank verwendet. Erst in den letzten Jahren hat man Floating für den Wellness-Bereich entdeckt. |
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Expansion scheitert an Banken |
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Das Floating-Center von Barbara Thieme ist klein und besitzt nur zwei Tanks. Dabei könnte die Geschäftsfrau mit dem jetzigen Personal sechs oder acht Tanks betreiben und würde gern expandieren. "Das würde Kosten und Preise senken", sagt sie. Bereits ihr erstes Center war für die Banken ein "unkalkulierbares Risiko". Verständnis und finanzielle Unterstützung fand Barbara Thieme bei ihrem Ehemann, einem Arzt.
Billig ist das Float-Vergnügen nicht. Eine einmalige Sitzung kostet 50 Euro. Im preiswertesten Abonnement bekommt man 10 Sitzungen für 350 Euro. "Anders können wir zur Zeit nicht kalkulieren", bedauert die Geschäftsführerin. Trotzdem hat sie Erfolg. Seit dem Start im April 2002 gab es über 1.500 Besucher. Nicht wenige sind inzwischen Stammkunden. Das Float-Center ist praktisch ausgebucht – Voranmeldung erbeten. Bis jetzt rechnet sich das Konzept. Barbara Thieme kann davon existieren, zuweilen auch leben. |
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26.02.2003 |
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© by dieberlinerin 2003 |
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