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Tipp
Kult |
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Bärige Weltstars |
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Teddy in Aspik |
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Florian Marten
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Mann nehme etwas ganz Alltägliches, werkele etwas damit herum und stelle es anschließend ins Museum. Die Medien wundern sich - und fertig ist der Weltstar. Dieses hochaktuelle Kunstkonzept kann, verfeinert um weibliche Soft Skills, auch Künstlerinnen zu Weltstars machen.
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Konzeptkunst ist Corporate Design
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Frauen als Künstlerinnen? Da lacht der gewöhnliche Kunsthändler: Schließlich dominieren selbstdarstellungsgestählte Machos den internationalen Kunstmarkt - von einigen Reservaten für Quotenkünstlerinnen mal abgesehen. Mann sein allein garantiert aber noch nicht den künstlerischen Durchbruch. Markterfolg setzt ein ausgeklügeltes "corporate design" voraus, das durch Originalität und einen hohen Wiedererkennungswert besticht.
Wie das funktioniert, hat die Nahrungsfettindustrie schon lange vor Beuys vorgeführt: Die Margarine, ein gesichtsloses Alltagsprodukt aus Pflanzenöl und gehärtetem Pflanzenfett, wurde durch die Zauberei des Marketings zum Markenprodukt: zu Rama & Co, zum Frühstückswunder mit einer Aura des Besonderen. Konzeptkünstler haben dieses Prinzip längst verfeinert. Ob mit der Kettensäge ran an den Holzklotz, ob mit Schneid- und Schweißbrenner hinaus auf den Schrottplatz, ob mit Videokamera rein in den alltäglichen Nonsens oder mit dem Skalpell quer durch den Kadaver.
Die Masche machts, der Weg ist das Ziel. Machos mögens meist derb. Nur selten liebkosen spielerische Formen die Sinne wie etwa bei Konzept-Art-Tausendsassa Hundertwasser. Auch Qualität spielt kaum eine Rolle. Nicht die künstlerischen Eigenschaften entscheiden, sondern allein die Marktfähigkeit. Tröstlich allerdings, dass Qualität, die der spröde, verstörende Beuys durchaus hatte, einem Markterfolg nicht im Weg stehen muss.
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Paradies der Kuscheltiere |
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Es muss nicht unbedingt der Abenteuerspielplatz im Manne sein, um moderne Erfolgskunst zu generieren. Wichtig ist allein das Grundprinzip: Frau nehme ein ganz alltägliches Material, bearbeite es in einer dafür nicht geeigneten Weise und lasse sich anschließend als Künstlerin feiern, die mit dekonstrutivistischem Feinsinn die Widersprüche unserer Welt decouvriert.
Wie wäre es mit Teddys? Mit kuschligen Steiff-Pferden, Elefanten, Delfinen, Hunden? Die edleren von ihnen sind dank des Knopfs im Ohr ja bereits mit Körperkunst und Piercing vertraut. Sicher wäre auch das kunstvolle Tätowieren und Bauchnabelpiercen von Plüschtier-Enten, Stoff-Tigern und Knuddel-Marsipulamis ein geeigneter Weg, um den Kunstmarkt aufzurollen.
Noch zeitgeistiger, jenseitiger, esoterischer und existenzialistischer erscheint uns allerdings die Plastination von Kuscheltieren, die Professor Dr. med. Gunther von Hagens mit seinen "Körperwelten" bereits an menschlichen Leichnamen und tierischen Kadavern vorexerziert hat. Von Hagens weiß, wie mann mit Skalpell und Silikonkautschuk dem Erhabenen zum Durchbruch verhilft: "Die Plastination ermöglicht die Neubelebung der faszinierenden Idee einer Symbiose zwischen Anatomie und Kunst. Durch die kunstvolle Darstellung hört der menschliche Körper auf, Gegenstand des Ekels zu sein. Die Symbolik lässt uns innehalten und die Welt in ihrer komplexen Gegensätzlichkeit und Schönheit erfahren."
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Teddy-Plastination ganz praktisch |
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Ob gehäutet, aufgeschnitten oder auch im Ganzen - die Plastination kennt beim Umgang mit Körpern keine Grenzen. Wenn Sie sich entschieden haben, in welcher Gestalt Sie ihren Teddy zum Jahrhunderte überdauernden Kunstwerk veredeln wollen, kann es losgehen:
1) Legen Sie den vorbereiteten Teddykorpus bei Zimmertemperatur in ein Acetonbad. Etwaige Feuchtigkeitsreste und Fette werden allmählich durch das Lösungsmittel ersetzt.
2) Das so entwässerte und entfettete Präparat legt Kunstfrau danach in eine Kunststofflösung ein (Silikonkautschuk, Epoxidharz oder Polyester). Bringen Sie dann im Vakuum das Lösungsmittel zum Sieden und saugen Sie es ab. So kann der Kunststoff Molekül für Molekül in jede Teddyzelle einsickern. Dieser Prozess der forcierten Imprägnierung sollte über Tage und Wochen erfolgen, damit die feinen Teddystrukturen zur Gänze erhalten bleiben.
3) Anschließend erfolgt die Härtung, je nach Art des verwendeten Kunststoffes, mit Hilfe von Gas, Licht oder Wärme.
4) Die fortgeschrittene Teddy-Plastinatorin kann sich nun an die "Scheibenplastination" wagen, bei welcher der Kuscheltierkörper in zwei bis acht Millimeter dünne Scheiben zerschnitten und anschließend zwischen zarten Gitternetzen plastiniert wird. Für feine Zwischentöne empfiehlt dieBerlinerin Polyesterharz. Denn, so Gunther von Hagens: "Das bei der Gehirnscheibenplastination verwendete Polyesterharz erlaubt eine besonders gute Differenzierung zwischen weißer und grauer Hirnsubstanz."
Service
Menschliche Plastination
Alles über die menschliche Plastination finden sie unter www.koerperwelten.de
Prof. Dr. Gunter von Hagens Institut für Plastination Rathausstraße 18 691216 Heidelberg Tel. 06221-33 11-0, Fax –33 11-12
Literatur-Tipp "Impregnation of Soft Biological Specimens with Thermosetting Resins and Elastomers", Autor Gunther von Hagens, erschienen 1979 im Anatomical Record 194, S. 247-255
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26.02.2003 |
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© by dieberlinerin 2003 |
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