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Kult
- Zeitgeist, Kunst, Unterhaltung |
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Frauen multimedial |
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Alltag als Kunstimpuls |
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Eva Herbst
Mit Stricknadel oder Bits aus dem Computer - Frauen verknüpfen Alltagsthemen verstärkt durch Medien. Patricia Waller häkelt gebratene Hühner, und Stefie Steden entwirft "Partnerbilder" am Computer. Sabine Kunthoff zeigt ihr Inneres durch "Frau Chanel" per Video, und Celine Babiole veranlasst Besucher des Potsdamer Platz' zu Bildschirmtänzen. Gemeinsames Motto: Vielfalt im Leben - Vielfalt in der Kunst.
Ob mit psychologischem, politischem oder ironischem Anspruch - Frauen suchen nach neuen Ausdrucksformen für ihr Leben in der Informationsgesellschaft. Die alte Stricknadel und der funktionale Computer, beide sind nur ein Vehikel dafür... |
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Alltag ist spannend |
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Knusprige Hühner, gestürzter Junge mit Blutlache oder die grünen Aliens - alles ist aus Wolle. Gehäkelte Ironie von Patricia Waller aus Karlsruhe. Der Betrachter schmunzelt. Dieser Alltag ist bekannt, jedoch tauchen hinter Wallers Objekten Fragen auf: Über genetisch verändertes Essen, Blutaustausch oder das Leben in der virtuellen Welt. "Die veränderte Präsentation verschafft andere Sichtweisen", sagt die 40-jährige Künstlerin. Sie nennt es Häkelkunst. Anfangs lächelten viele über ihre "Hausfrauenkunst". Inzwischen stellt sie jedoch in Chicago, Barcelona oder Budapest aus.
"Kunst ist überhaupt nicht spannend, nur Alltag", sagt die 33-jährige Berliner Künstlerin Stefie Steden. Seit dem Kunststudium in Holland ist Alltag ihr Thema. Aus Alltagsgegenständen werden elektronische Klanggeräte. Durch eigene Bewegungen der Besucher werden Klänge und Texte jeweils neu kombiniert. Nach der Ausstellung baut Steden ihre Installationen einfach zurück.
Über die Erstellung von Webseiten kam die Medienkünstlerin zu interaktiven Kunstprojekten. Technik reizt Steden dann, wenn sie "es schafft, mich mir näher zu bringen". Ihr Alltag dient ihr thematisch als Kunstimpuls. "Viele Männer popeln eher nur in der Kunst selbst herum", sagt sie vergnüglich lächelnd. |
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Inseln im Alltag |
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Ein Mensch - zwei Gesichter. So könnte der Titel des Projektes "Partnervergleich" von Stefie Steden lauten. Mit Hilfe von Phantombildern im Computer erstellt ein Besucher ein Bild von sich selbst. Dann eines von der Partnerin. Die Partnerin macht das auch. Es zeigt sich, dass Selbst- und Fremdbild oft unterschiedlich sind. "Das Produkt interessiert mich nicht", betont die Künstlerin. Ihr geht es um den Suchprozess in den Menschen selbst.
Per Internet sucht die Steden "Inseln im modernen Alltag". Sie bietet Fragebögen zum Selbstausfüllen mit Themen wie Luxus oder Frittenparadiese. Das Projekt "Idyllenforschung" entstand zusammen mit dem Landschaftsarchitekten Florian Birke. Über die vielen Klicks auf ihrer Homepage freut sie sich, dennoch ist sie mit ihren Besuchern nicht wirklich zufrieden. Nur die wenigsten beteiligen sich nämlich wirklich interaktiv und investieren zum Beispiel Zeit in das Ausfüllen der Fragebögen.
Nun sucht sie ein neues Medium. Eines, das sie nicht so abhängig von anderen Menschen macht. Sie fand den Roman. "Es wird ein Roadmovie, den man mit in die U-Bahn nehmen kann." Um Frauen, Fotografie und Überwachung geht es, wie Steden vorsichtig verrät. Um modernen Alltag also, in Papierform lesbar. |
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Medialer Alltag am Lützowplatz |
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Grell pink geschminkt im weißen Overall: Sabine Kuntoff schreibt mit einem fetten Schminkstift grellrosa Befindlichkeitstexte auf eine knallweiße Wand - auf der Hand ein fettes Tattoo, Chanel-Logo. Die Farbe? Natürlich original "Pink Revolution" aus dem vanity case von Chanel.
Das Lebensgefühl wird zur Videoperformance stilisiert. "Das ist eine Abwehr der oberflächlichen Welt von Kleidung und Labels", so die junge Kunststudentin zu ihrem Videoauftritt im Berliner Haus am Lützowplatz. Das Maquillage-Set von Chanel dient dabei als Ersatz von Palette und Pinsel. Der Alltag hält Einzug in die mediale Welt.
Alltagserfahrungen fließen inzwischen auch bei jungen männlichen Künstlern ein. Bei Özcan Zens Video-Betrachtung von "TV Predigern" der CNN. Münder und Augen verzerren sich, auch der Ton. Moritz Hirsch spielt mit Selbstporträts: Ein banales Schwarz-Weiß-Selbstbildnis löst sich zunächst in den dazugehörenden HTML-Quellcode auf, dann vermischen sich Bildpixel mit dem Zahlensalat des Codes.
Im Netz werden Männer und Frauen endlich gleich: Sie existieren nur als Zahlenfolgen. Während Künstler aber eher mit der Technik spielen, nutzen die jungen Künstlerinnen mediale Technik vor allem, um innere Zustände auszudrücken. Das zeigt sich auch auf dem Berliner Medienfest "Transmediale" im Februar. Speziell bei digitalen Medien sind oft Bild, Klang, Text und Raumgestaltung mit interaktiver Erzählung verknüpft.
Das spricht Frauen sehr an. Eine französische Vertreterin dieser Richtung, Celine Babiole, wird ihre Installation im öffentlichen Raum auf dem Potsdamer Platz zeigen. Die Künstlerin bleibt eben nicht da, wo viele Kollegen noch stehen: in abgeschlossenen Zirkeln. Da tanzt er dann, der Mann im grünen Mantel. Abends auf der Straße vor einem Computerbildschirm mit blauen Kästchen. Er freut sich, wenn sie mal mehr, mal weniger auftauchen. Durch seine eigene Bewegung verändert sich die Zahl und Abfolge der Kästchen. Zufällig entsteht eine Art Kasten-Tanz. Passanten bleiben stehen und wundern sich. Medialer Alltag am Potsdamer Platz im Februar. Inszeniert von Celine Babiole. Einer Frau.
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25.02.2003 |
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© by dieberlinerin 2003 |
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