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Kult
- Zeitgeist, Kunst, Unterhaltung |
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Frauensalsaband |
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Salsa im Blut |
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Ula Brunner
Clarissa und die Teufelinnen nennt sich die Frauensalsaband der Berliner Jazzmusikerin Clarissa Pöschel. Seit vier Jahren bewähren sich die sieben Ladies in der vorwiegend männerbesetzten Salsadomäne. Nicht zuletzt deswegen, weil sie einfach gut sind.
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Oberteufelin und Sängerin |
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Nur auf den ersten Blick wirkt sie typisch deutsch - so blond. Sobald sie redet, verraten Tempo, Timbre und Temperament ihr südamerikanisches Erbe. Es ist zu spüren, diese Frau vibriert vor Energie. Wenn sie dann mit ihren Ladies auf der Bühne steht und singt, mit voller Stimme, wenn sie tanzt, mit runden Bewegungen, ist klar: Clarissa Pöschel, Gründerin und Sängerin der Las Diablitas, hat Salsa im Blut.
Seit vier Jahren touren Clarissa Y Las Diablitas - Clarissa und die Teufelinnen - durchs In- und Ausland. Mit beachtlichem Erfolg: Bereits zum dritten Mal spielte die Berliner Frauensalsaband jetzt als einzige deutsche Formation auf dem Jazzfestival in Havanna. "Kuba", erklärt Clarissa Pöschel, "ist meine innere Heimat." Schon ihr Vater, der argentinische Jazzpianist Eduardo Lisavetzky, leitete in den siebziger Jahren das erste Berliner Salsaorchester. Damals war sie 13 Jahre alt. "Die Musik ging mir sofort ins Blut", erinnert sich Clarissa.
Die Liebe zum Salsa blieb über längere Zeit eine platonische. Denn musikalisch ging die Deutsch-Argentinierin zunächst andere Wege. Nach dem Musicalstudium arbeitet sie erfolgreich als Jazzsängerin und Studiomusikerin und produziert drei Solo CD's. 1998 wird sie zum ersten Mal zum Internationalen Jazzfestival nach Havanna eingeladen. "Danach", sagt sie, "war ich sehr inspiriert, selber Salsamusik zu machen." Anfang 1999 gründet sie Clarissa Y Las Diablitas, eine Salsaband mit ausschließlich weiblichen Instrumentalisten.
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Kubanischer Flair und Berliner Tanzszene |
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"Salsa ist pure Lust, wie ein Vorspiel beim Sex", sagt Clarissa. Leidenschaft, Spaß und kubanisches Lebensgefühl machen den Sound der Diablitas aus. "Wir mixen traditionelle kubanische Musik mit Jazz, Rap oder Timba. Es gibt dafür keinen eigenen Stil." Sie lacht: "Vielleicht sollten wir den noch entwickeln, diabolischen Frauenstil oder so."
Auf der Bühne brillieren die Teufelinnen mit schillernder Garderobe, unterhaltsamer Bühnenshow und viel rhythmischem Gefühl. Ob die Ladies Tanzlieder, Swing-Evergreens, Jazzsongs oder Eigenkompositionen spielen, Latin-Touch und karibisches Flair ihrer Musik sind mitreißend. Auch für die musikalisch verwöhnten und leicht übersättigten Hauptstädter. "Hier", sagt Clarissa Pöschel, "dauert es nur länger, bis wir die Leute von den Stühlen holen."
Die Berliner Salsaszene ist klein. Vielen Tanzclubs ist ein Orchester zu teuer. Sie engagieren lieber einen DJ. "Dieser Konserven-Einheitsbrei", sagt Clarissa, "ist furchtbar." Salsa lebt von der Live Musik, dem kubanischen Lebensgefühl. Dieses Flair kann man nicht auf einer Platte rüberbringen. "Es gibt zwar genug Orte, wo wir spielen könnten, aber wenige, die uns bezahlen können", bedauert Janine Schrader, Saxophonistin der Diablitas. Immerhin, im Kammermusiksaal der Philharmonie und in der Werkstatt der Kulturen waren sie schon zu hören. Und natürlich im Ausland.
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Ladies On The Road |
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In Kuba werden die Ladies bereits wie Stars gefeiert. Zum zweiten Mal nahmen Clarissa Y Las Diablitas auf Einladung des Grammy-Preisträgers Chucho Valdés am Internationalen Jazzfestival in Havanna teil. Sie spielten eine Session mit Herbie Hancock und konnten die Afro-Cuban All Stars als Gäste für ihr Debütalbum "Todo es moloso" gewinnen.
"Als deutsche Damencombo waren wir die Exotinnen in Havanna", lacht Bandfrau Janine Schrader. Sie fügt hinzu: "Nicht weil wir Frauen sind - auf Kuba gibt es viele Frauensalsabands -, aber weil wir aus Deutschland kommen." Und weil sie einfach gut sind, auch an "männlichen" Instrumenten. Denn es gibt immer noch das Vorurteil, dass bestimmte Instrumente viel Kraft brauchen, um gut gespielt zu werden. "Deswegen gibt es zu wenig gute Instrumentalistinnen für Posaune, Schlagzeug oder Saxophon", bedauert Clarissa. "Technik und Können sind entscheidender, als mit viel Luft und Kraft zu spielen", bestätigt Janine Schrader. In der männerdominierten, deutschen Salsaszene sind Clarissa Y Las Diablitas eine absolute Rarität. Die Ladies sind die erste und einzige weibliche Salsaband hierzulande. "Wir haben uns Anfang 1999 gegründet", erzählt Frontfrau Clarissa Pöschel, "und es ging mit dem Erfolg gleich schlagartig los." Ihre Exklusivität hat durchaus zwiespältigem Charakter. "Es bringt Vorteile, aber auch Vorurteile mit sich", sagt Clarissa. "Dann heißt es: Na ja, die sehen ganz nett aus, aber ob die auch spielen können?" Sie können. "Kubanischer kann ein Sound kaum klingen", schwärmt die Presse. "Wir arbeiten hart und sind ehrgeizig", lacht Clarissa, "wir wollen nicht irgend eine Girlgroup sein, sondern richtig gute Musikerinnen."
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26.02.2003 |
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© by dieberlinerin 2003 |
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