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Kult
- Zeitgeist, Kunst, Unterhaltung |
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Künstlerische Modeshow |
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Mode ist eine Hure |
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Eva Herbst
Vom vertikalen Laufsteg werden Models in Yuppie-, Raver- und Punkermoden abgeseilt. Die Kirche dient als Ort für die Modevorführung mit gesellschaftskritischem Touch. Ungewöhnliche Bühnenshows sind das Markenzeichen der Berliner Modefrau Elisabeth Prantner. Daraus ergeben sich Impulse für ihre bequeme Wohlfühlmode unter dem Label "Lisa D.".
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Reinspringen und fertig |
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"Mode ist eine Hure", meint die Österreicherin Elisabeth Prantner, 46. "Sie macht, was sie will und passt sich den Bedürfnissen an." Ihr Laden "Lisa D." und das Atelier bereichern seit neun Jahren die Hackeschen Höfe in Berlin Mitte. Die schlanke Frau mit den roten Haaren, den roten Hosen und der langen, hellen Strickweste - nach eigenem Schnitt - lacht: "Ich habe schon ein paar Krisen durchlebt, als es darum ging, Trends mitzumachen und trotzdem bei mir zu bleiben."
Am liebsten arbeitet sie mit dehnbaren Materialien. Strick, Wollstretch in Orange, Maisgelb oder Königsblau. Jacken und Hosen lassen sich einfach überstreifen. Bewegungsfreiheit ist das Ziel. "Reinspringen und fertig" heißt ihre Modephilosophie. Alles ganz normal, - auf den ersten Blick, wie vieles bei der Autodidaktin Elisabeth Prantner, die sich als Künstlerin "Lisa D." nennt.
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Gesellschaftskritik der besonderen Art |
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"Der normale Laufsteg hat mir nie genügt", erzählt die ehemalige Kunsterzieherin und Soziologin aus Graz. Mode, so glaubt sie, erspürt schon frühzeitig neue gesellschaftliche Trends. Prantner sammelt den Stoff für ihre Bühnenshows auf der Straße: Sie beobachtet Menschen, ihre Bewegungen, ihr Kommunikationsverhalten. Aus diesem Material schöpft sie ihre Geschichten, meist mit gesellschaftskritischem Touch.
Seit 15 Jahren kreiert Elisabeth Prantner ihre ungewöhnlichen Bühnenshows. Der halbnackte Arsch einer Punkerin schwebt dafür schon mal vom vertikalen Laufsteg der "Bienen"-Show. Models treten als Ersatzgeister in einer Geisterbahn auf oder balancieren über einen Bottich mit Trauben. Sie laufen über Eisschollen oder springen auf Trampolinen. Früher leitete Prantner Theaterkurse, heute ungewöhnliche Cat-walks.
Die Modeschöpferin zeigt mit ihrer Bienen-Show das moderne Hamsterrad der Arbeitswelt: Menschen, die rund um die Uhr im Büro sind, Arbeitslose in "Dauer-Freizeit", Punker, Raver, SM Fetischisten - alles Typen, die sie auf den Straßen Berlins getroffen hat. Lifestyle- Moden werden ironisch verfremdet zur Bühnenkleidung. "Die Kittel von den Spar-Supermärkten habe ich zu Sport- und Freizeitmoden gemacht", illustriert Lisa D.
"Meine Projekte sind ein Luxus, den ich mir inzwischen leisten kann", erklärt die Künstlerin. Ihr Laden finanziert inzwischen die Bühnenshows. Nur die Bienen-Vorführung verkaufte sich gut nach Graz, Wien oder München. Sogar aus Australien kam eine Anfrage. Die sagte sie ab, weil es ihr zuviel sei, neben der normalen Kollektion. Denn für die Shows macht Elisabeth Prantner alles allein: Modelle bestellen, Künstler anheuern, die Organisation. |
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"Wenn es mir mal fad wird" |
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Die Arbeit für die Shows fließt auch in ihre Kollektionen ein, "ein Kreislauf". So führte die "Bienen"-Show zu Lisa D.s erster Business-Kollektion. Andersherum funktioniert es auch: Wie der Rock mit den aufgedruckten Sommerfotos aus einem Stoff, der aussieht wie Jute, aber keine ist. "Diese Simulationen interessieren mich", so die Modekünstlerin - sie wird dieses Motiv in eine ihrer nächsten Shows einbauen.
"Wenn es mir mal fad werden sollte, will ich in Graz oder Westdeutschland eine zweite Boutique aufmachen." Aber dafür hat Elisabeth Prantner gar keine Zeit. Im Gegenteil. Seit drei Jahren plant sie ein neues Projekt über die Produktionsweisen der Modeindustrie in der Dritten Welt, - wie immer mit ihrem Mann zusammen. Der macht die Dramaturgie. Seit Jahren komponiert Wolfgang Mitterer die Musik für ihre Shows. Simone Schneider, eine Berliner Autorin, schreibt diesmal den Text. Das Bühnenbild gestaltet ein Italiener. Zum ersten Mal gibt es einen Auftraggeber: Die Kulturhauptstadt Graz. Beim "Steirischen Kunstherbst" 2003 stehen dann 50 Leute für Lisa D. auf der Bühne.
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Mein Horizont ist ein anderer |
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"Früher war ich nie rund", sagt Elisabeth Prantner. Als Kunsterzieherin war sie nicht glücklich. "Anfang der 80er Jahre habe ich zufällig angefangen, auf Stoffen herum zu malen." Als sie später mit ihrem Mann nach New York zog, "motivierten mich die Amerikaner". Damals produzierte sie jedes halbe Jahr eine neue Show mit experimenteller Mode.
"Ich habe Dinge bewusst nicht gelernt", gesteht die Autodidaktin. Sie glaubt, das ihr Horizont deshalb anders ist als bei Modedesignern. Elisabeth Prantner entwirft "ungewöhnliche Schnitte". Ihre Schnittmeisterin Anette Schwarz findet Pranters Entwurfs-Stil außergewöhnlich spannend: "Oft denke ich, oh Gott, wie soll das denn gehen?"
Wenn etwas spießig ist, kommt es nicht in den Laden. Deshalb bespricht die Modeschöpferin die neuen Outfits mit ihren Mitarbeiterinnen. "Mit jungen Leuten arbeite ich gern zusammen. Sie sind ein gutes Korrektiv." Nadine Leist, die gerade ihr Modedesignstudium beendet hat, ist vom offenen Betriebsklima bei Lisa D. angetan. Alle Entwürfe und Schnitte werden miteinander besprochen. Nadine Leist stolz: "Wir entwerfen keine Mode für die Stange."
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25.02.2003 |
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© by dieberlinerin 2003 |
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