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Thema
- Schwerpunkt, Trends, Debatte |
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Karriereleiter |
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Wo bitte geht’s nach oben? |
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Ricarda Weller
Erfolgsstrategien gibt es zuhauf. Welche die jeweils richtige ist, muss jede Frau für sich entscheiden. Nicht nur die eigene Persönlichkeit, sondern auch das berufliche und soziale Umfeld sind Indikatoren, die bedacht sein wollen.
Erfolg macht unabhängig. Wer Erfolg hat, wird bewundert. Das ist wahr. Genauso wahr ist aber auch, dass Erfolg abhängig macht und der erfolgreichen Frau mancherorts der blanke Neid entgegen schlägt...
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Machtkämpfe |
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"In unserer Kultur wird der Erfolg regelrecht angebetet", resümiert die Unternehmensberaterin Anne Kräuchi. "Speziell für Frauen ist aber die Luft da oben oft sehr dünn und einsam. Viele halten das nicht durch." Besonders in großen Unternehmen herrscht noch immer eine vorwiegend von Männern bestimmte Struktur. Konkurrenzkampf gehört zum beruflichen Alltag und wird eher sportlich gesehen.
Kräuchi: "Ich bin teilweise schockiert über die Heftigkeit der Selbstzweifel und der Selbstsabotage, die dieser Kampf bei den Frauen auslöst. Wer da in die Knie geht und die Sache persönlich nimmt, hat schon verloren." Wenn beim Tanz ums goldene Kalb gefoult wird wie auf dem Fußballplatz, ist Gegenwehr geboten. Das Frausein wie ein Schild vor sich her zu tragen, ist unnötig, denn es interessiert niemanden. Sich selbst als ebenbürtige Kontrahentin zu sehen, erleichtert das Spiel und festigt die Position. |
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Klappern gehört zum Handwerk |
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Marion Vorreiter war Headhunterin in der Bankenmetropole Frankfurt am Main. Heute ist sie bei der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) deutschlandweit für die Besetzung von Führungspositionen in der Wirtschaft zuständig. "Nur etwa fünf Prozent meiner Klienten sind Frauen", sagt sie und setzt ein hoffnungsvolles "Tendenz steigend" nach. "Männer haben schon immer weniger gearbeitet und dafür mehr Politik gemacht. Die Frauen müssen umdenken. Klappern gehört eben zum Handwerk." Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr... Das wusste der Volksmund schon lange.
Wer allein durch Leistung überzeugen will, hat Pech, wenn keiner hinsieht. Den eigenen Wert so zu präsentieren, dass auch der ignoranteste Chef aufmerkt, will gelernt sein. "Die jungen Frauen haben das überwiegend schon genauso gut drauf wie die Männer. Manche muss man sogar bremsen, damit sie nicht allzu viel Lärm um sich selbst machen", weiß Vorreiter zu berichten. |
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Die zerrissene Frau
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Flexibilität im Beruf wird immer wichtiger. Überstunden, Dienstreisen, Wochenendseminare oder gar der Umzug in eine andere Stadt werden gefordert. Zwischenmenschliche Beziehungen bleiben bei dieser Belastung oft auf der Strecke.
Kinder zu haben, erweist sich als ausgesprochen problematisch. "Eine gut funktionierende Partnerschaft ist ein sicheres Fundament des Erfolgs", vermittelt Fachfrau Kräuchi. "Auch die talentierteste Organisatorin landet irgendwann entweder beim Psychiater oder letztendlich beim Scheidungsanwalt, wenn der Partner nicht mitspielt."
Für Frauen, die sich der Zerreißprobe nicht stellen möchten, gibt es immer mehr spezielle Arbeitszeitmodelle, in denen eine Führungsposition auf zwei Menschen verteilt wird. In der Praxis hat sich diese Methode als durchaus praktikabel erwiesen.
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Soft Skills - die weibliche Kompetenz |
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Zunehmend schicken Unternehmen ihre Manager auf Soft-Skill-Seminare. Soft Skills sind Fähigkeiten wie Diplomatie, Flexibilität und Teamfähigkeit, also kommunikative und soziale Kompetenzen. Marion Vorreiter ist der Meinung: "Das sind genau die Fähigkeiten, die den Frauen bereits in die Wiege gelegt wurden." Wer die Tagespläne zweier Kinder koordiniert, nebenher Einkaufen geht, die kranke Oma pflegt und den Haushalt samt Hund in Schuss hält, beherrscht die hohe Kunst der Organisation.
Im Gegensatz zu Männern können Frauen viele Dinge gleichzeitig erledigen, ohne durcheinander zu kommen. Zu dieser Erkenntnis kam die amerikanische Anthropologin Helen Fisher. Ihr kürzlich veröffentlichtes Buch "Die natürlichen Talente der Frauen und wie sie die Welt verändern" basiert auf ihrer eigenen Forschungsarbeit.
Längst ist bewiesen, dass das weibliche Gehirn tatsächlich anders funktioniert als das männliche. Das weibliche ist kleiner, aber dichter mit Neuronen bepackt. Außerdem funktioniert der Austausch zwischen der rechten und der linken Gehirnhälfte besser. Auf Grund dessen zeigt es Stärken wie Intuition, Anpassungsfähigkeit und Sensibilität. Allesamt Qualitäten, die in der Wirtschaft gefragt sind.
Natürlich fallen Frauen diese Fähigkeiten nicht in den Schoß – sie werden oft erst durch Karrierebrüche, Lebensphasen mit Kindern zum Beispiel, erworben. Doch obwohl Soft Skills überall gefordert werden, haben es Frauen, die sich diese in besonderem Maße erworbenen haben, bei Bewerbungen meist immer noch besonders schwer.
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Alles ist möglich
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"Wenn ich eine Tochter hätte, ich würde ihr raten, nach den Sternen zu greifen", meint Alexandra von Wangenheim, Geschäftsführerin des Nobelschmuckherstellers Cartier in Berlin. "Das Allerschlimmste, was man machen kann, ist, sich selbst zu beschränken und zu meinen, man wäre nicht geeignet für die Dinge, die man sich wünscht."
Alexandra von Wangenheim hat zwar keine Tochter, aber einen Job, von dem viele Frauen träumen. "Ich muss in meinem Beruf etwas bewegen können", sagt sie von sich. „Es gibt für mich nichts Schlimmeres, als im Stillstand zu verharren. Das bremst die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit." Anne Kräuchi sieht das ähnlich: "Die Frauen setzen ihre Ziele oftmals zu niedrig an. Das ist eine Misserfolgsstrategie. Wenn das Ziel erreicht ist, bleibt die Unzufriedenheit über den Stillstand." |
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Arbeit und beruflicher Erfolg sind nicht alles. Ohne private „Inseln“ wird der interessanteste Job zum Langweiler. Möglichkeiten gibt es viele. „Wichtig ist nicht so sehr das Was, sondern das Wie“, ist sich Kräuchi sicher. „Der Beruf bleibt auf jeden Fall draußen.“ Auf ihrer Insel leistet sie gemeinnützige Arbeit und betreut mit Hingabe einen schwerkranken Verwandten.
Alexandra von Wangenheim pflegt Familienkontakte und gönnt sich von Zeit zu Zeit eine Massage. Marion Vorreiters Insel liegt in einem liebevoll restaurierten, alten Bauernhaus im Umland. "Ein Bad mit Rosenöl, leise Barockmusik und ein gutes Buch. Das ist für mich Entspannung pur." Ob Marathonlauf oder Kaninchenzucht, Segeln oder Rätselraten, der wichtigste Aspekt muss immer sein: Diese Zeit bestimme ich allein und ich werde sie genießen. |
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26.02.2003 |
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© by dieberlinerin 2003 |
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