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Ich - Gesundheit, Seele, Schönheit
     
  Orientalisch Wohlfühlen  
  Ein Besuch im Hamam  
     
  Ricarda Weller  
     
  Wer in der Hektik der Großstadt ein wenig Ruhe und Wärme sucht, sollte sich einen Besuch im Sultan Hamam gönnen. Zugegeben, das Haus in der Bülowstraße 57 in Schöneberg sieht nicht sonderlich einladend aus. Das netteste Graffiti im Fahrstuhl: Na du Arsch, bald Feierabend??!
Aber es lohnt sich, diese Kleinigkeiten zu übersehen.
 
     
  Orientalische Reinlichkeit  
     
  Am Empfang bekommt man ein Messingschüsselchen zum Wasser schöpfen und einen Schlüssel für den Umkleideschrank. Dann kann es  losgehen mit der Erholung. Ein schöner, marmorgetäfelter Raum empfängt die Besucherin. Warme Dampfschwaden hüllen den Körper ein. In der Mitte des Raumes lockt ein großes, beheiztes Marmorpodest zum Ausruhen. Rings herum gibt es gemütliche Nischen mit Wasserbecken für die traditionellen Waschungen. Dazu wird die Messingschüssel immer wieder in das Becken getaucht und warmes Wasser über jeden Zentimeter der durstigen Haut gegossen.

Wenn der ganze Körper von wohliger Wärme durchdrungen und aufgeweicht ist, ruft die Natr, die Badefrau, zum Peeling. Mit einem Seidenhandschuh wird so lange geschrubbt, gestreichelt und massiert, bis auch die letzte Pore ihr lang gehütetes Geheimnis preisgegeben hat. Anschließend wird türkisch eingeseift. Diese Prozedur wird in der Türkei Keese genannt. Die Natr zaubert mit Hilfe eines handgehäkelten Baumwolllappens und eines Stücks türkischer Naturseife Unmengen zarten Schaums, den sie gründlichst verteilt und einmassiert. Mehrere Güsse mit warmem Wasser beenden das Ritual.

 
     
  Orientalische Gemütlichkeit  
     
  Tee TrinkenWenn die Haut porentief gereinigt ist, sollte man sich erst einmal entspannen. Im Ruheraum auf einer Liege lümmeln und die Seele baumeln lassen. Sanfte orientalische Musik und der Duft ätherischer Öle machen die Erholung komplett. Geselligere Naturen begeben sich in eine der vielen plüschigen Kuschelecken. Dort wird genauso gelümmelt und noch dazu getratscht und Tee getrunken. Zu neuer Kraft gekommen, stehen noch Sauna und Dampfbad zur Wahl. Oder doch lieber eine Massage oder eine Kosmetikbehandlung?

Wer wirklich in den siebenten Himmel will und 90 Euro bezahlen kann, der nimmt eine vierhändige Trancemassage. Die anmutigen Masseurinnen Sanne und Sansara massieren eine ganze Stunde synchron. Ein Pas de deux in Öl auf der Haut, ein Halleluja für die Seele und ein Labsal für die verspannte Muskulatur. Wen schert da noch der schmierige Fahrstuhl?

 
     
  Orientalische Tradition  
     
  Vor circa 4000 Jahren begann in Zentralanatolien die orientalische Badekultur. Schon damals dienten die Waschungen neben der Hygiene auch religiösen Zwecken. Mit dem Aufblühen des Islam im Osmanischen Reich wuchs die Anzahl der Hamams. Da der Koran vor dem Gebet eine Waschung fordert, befanden sich die Badehäuser häufig in der Nähe der Moscheen. Allein in Istanbul gab es im 17. Jahrhundert 168 Hamams. Sie wurden natürlich streng nach Geschlechtern getrennt betrieben.

Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich das Hamam zunehmend auch zum gesellschaftlichen Treffpunkt. Es wurden Geschäfte ausgehandelt und Nachrichten verbreitet. Beim Gelin Hamam, dem Brautbad, treffen sich noch heute Verwandte und Freunde zum Feiern. Außerdem gibt es ein Wochenbetthamam, das der werdenden Mutter und ihrem Kind Glück bringen soll. In Anatolien, dem Geburtsland des Hamams, hält sich noch immer der Brauch, zum Dank im Hamam zu feiern, wenn sich ein Herzenswunsch erfüllt hat. Einen Herzenswunsch der stressgeplagten Besucherin erfüllt auch das Sultan Hamam in Berlin. Entspannung pur und noch dazu eine gehörige Portion Klatsch und Tratsch. Ein Glück für uns Berlinerinnen, dass die Türken ihre Traditionen nicht vergessen haben.

 
     
   
     
   
     
   
     
   
     
   
     
 
 
  25.02.2003  
  © by dieberlinerin 2003  
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