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Berlin - Menschen, Geschichten, Locations
     
  Porträt: Delia Pereira-López  
  Mit Pinsel und Putztuch  
     
  Kathrin Bublys  
     
  Die hübsche kleine Frau aus Buenos Aires ist nach Europa gekommen, um Künstlerin zu werden. Seit mehreren Jahren putzt sie nun in gutbürgerlichen Haushalten. Doch demnächst will sie den Knochenjob an den Nagel hängen.
 
     
  Malen  
     
  Die Frau, die in ihrer Wohnung farbige Impressionen auf große Leinwände malt, sieht täglich eine Menge Schmutz und Dreck. Delia Pereira-López finanziert ihr Leben durch Putzjobs. Seit April 1994 lebt sie in Berlin. Geboren und aufgewachsen ist sie in Buenos Aires. Vor fünf Jahren hat Delia mit der Malerei angefangen. "Ich habe mich bei einem Kurs an der Volkshochschule angemeldet", sagt sie lächelnd. Sie hat dort eine Menge gelernt. "Der Kursleiter ist ein fabelhafter Künstler." Jetzt aber hat sie beschlossen, allein weiterzumachen.

Delia, die in ihre Malerei viel Energie und Liebe investiert, hat kein eigenes Atelier. Sie malt in ihrer Küche und legt dazu jedes Mal alles mit Folie aus, denn: "Ordnung muss sein!" Meistens malt sie drei oder vier Tage hintereinander, dann macht sie eine Pause. "Kunst", sagt Delia, "ist immer etwas Tolles, du kannst machen, was du willst. Es bedeutet einfach, seine Freiheit auszuleben." Mit ruhiger Stimme ergänzt sie: "Anfangs ist das natürlich nicht so leicht, du denkst, was du im Kopf hast und loslassen möchtest, kannst du nicht malen. Aber du musst frei sein wie ein Kind und einfach malen, was du denkst und fühlst."

 
     
  Glanz und Schatten  
     
  Der Dokumentarfilm "Der Glanz von Berlin" von Judith Keil und Antje Kruska scheint Delias Leben verändert zu haben. Der Film porträtiert drei sehr unterschiedliche Putzfrauen, die alle interessante, oft auch traurige Geschichten erzählen. Eine davon war Delia. "Das waren fünf Tage in meinem Leben, die meine damalige Situation widerspiegelten." Zu Gisela, einer Ur-Berlinerin und ebenfalls Darstellerin bei diesem Film, hat sie immer noch guten Kontakt. Doch als Schaupielerin sieht sich Delia nicht, obwohl sie vor kurzem ein Angebot für eine kleine Rolle in einem Spielfilm bekommen hat. "Es war eine sehr schöne und spannende Erfahrung beim 'Glanz von Berlin' mitzumachen. Aber das liegt fast zwei Jahre zurück und seitdem hat sich bei mir eine Menge verändert."

Fenster putzen, Staub saugen und bügeln prägten jahrelang ihren Alltag. Als Künstlerin seinen Broterwerb zu bestreiten, ist nicht einfach. "In Berlin gibt es zwar viele Möglichkeiten, seine Kunstwerke auszustellen, aber davon sind die Hälfte der Örtlichkeiten kein Anziehungspunkt für 'gute Geschäfte'." Licht und Schatten spielen in Delias Leben eine große Rolle. Das viele Licht kommt aus ihrem Inneren. Der Schatten legt sich so manches Mal darüber.

 
     
  "Ich fühle mich wohl in Berlin"  
     
  "Ich fühle mich wohl in Berlin. Es ist alles so offen, und ich komme mit den Menschen hier blendend aus." Gute Freunde haben die Argentinierin vor einigen Jahren nach Berlin gelockt - in die bislang kleinste Großstadt, in der sie je zu Hause war. In den 80er Jahren lebte Delia mehrere Jahre in Madrid und London. Mittlerweile wohnt sie in einer geschmackvoll eingerichteten Altbauwohnung. Sie hat eine Menge Zeit und Arbeit in ihr eigenes kleines Reich gesteckt. Stolz zeigt sie Fotos vom Wändestreichen und Dielenabschleifen.

Wenn sie nicht gerade zum Pinsel greift, singt Delia zusammen mit einer Freundin Tango. "Wir fahren zu einem Freund nach Zehlendorf, um gemeinsam zu musizieren. Er spielt dazu Klavier. Es ist so beschwingend, und wir haben eine Menge Spaß." Manchmal gibt Delia Spanisch-Unterricht, und eine Schülerin von ihr möchte nun zusätzlich Tango singen lernen. Doch vielleicht wird ihr Zukunftstraum bald in Erfüllung gehen: Delia hat fast drei Wochen Zeit investiert, um zwei professionelle Hintergrundbilder für einen großen Kino-Zeichentrickfilm zu malen. "Die sind gut geworden, und ich glaube, ich bekomme den Job." Wenn alles gut geht, wird sie schon bald das Putztuch ganz gegen den Pinsel eintauschen.

 
     
   
     
   
     
   
     
   
     
   
     
 
 
  26.02.2003  
  © by dieberlinerin 2003  
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