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| Stadtführung mit Frauenaugen | ||||||
| Berliner Frauengeschichte(n) nacherleben | ||||||
| Tanja Paul | ||||||
| Claudia von Gélieu wandelt mit ihrer Schar Neugieriger auf Frauenwegen durch Berlin. Sie weiß, wo Frauen Geschichte geschrieben haben und versteht es, mit diesem Wissen Nachmittage zu versüßen. | ||||||
| Hexen, Prinzessinnen und Frauenproteste | ||||||
| "Frauen haben Berlin zu dem gemacht, was es heute ist", verkündet Claudia von Gélieu mit einem freudigen Lächeln. Sie ist Politikwissenschaftlerin und bietet in Kooperation mit Beate Neubauer seit nunmehr 15 Jahren Frauenführungen an. Mit Wissensdurstigen zieht sie durch geschichtsträchtige Straßen Berlins - zu Orten, an denen Frauen gelebt und gewirkt haben.
Im Mittelpunkt stehen immer die ganz unterschiedlichen Rollen der Frauen im Verlauf der Zeit: Um Milchmädchen, Hexen, Prinzessinnen, Arbeiterinnenleben und Frauenproteste geht es bei den ganzjährig stattfindenden Spaziergängen mit Claudia von Gélieu. Ihr Angebot wird fast ausschließlich von Frauen wahrgenommen. "Die Männer, die in den 15 Jahren an einem meiner Rundgänge teilgenommen haben, kann ich an zwei Händen abzählen", schmunzelt sie. Stolz ist sie auf die inzwischen zahlreichen Wiederkehrerinnen. Die sind es auch, die Claudia von Gélieu antreiben, immer neue Führungen zu entwickeln. Während es sich bei Claudia von Gélieu vor allem die sozialpolitische Alltagsgeschichte und die Frauenbewegung dreht, haben die Führungen ihrer Kollegin Beate Neubauer historische Schwerpunkte: Sie vermittelt das Leben und Schaffen von Sophie Charlotte oder Victoria Augusta. |
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| Frauen im Scheunenviertel | ||||||
Die Tour durchs Scheunenviertel beginnt im Café Seidenfaden in der Nähe der Hackeschen Höfe, ein Treffpunkt nur für Frauen. Nicht Hunde, aber Männer müssen draußen bleiben. Claudia von Gélieu gibt zunächst eine halbstündige Einführung, untermalt mit Bildern des historischen Berlins.
Ihre Zuhörerinnen, die sich trotz Temperaturen um den Nullpunkt eingefunden haben, lauschen neugierig der Entstehung des Scheunenviertels vor rund 300 Jahren. Mit vielen Geschichtchen erzählt Claudia von Gélieu die Geschichte spannend und lebendig. Anschließend geht es hinaus in die Kälte, über Hinterhöfe und durch die Straßen des Scheunenviertels. Immer wieder bleibt die kleine Gruppe kurz stehen, blickt auf das Volkskaffeehaus, erfährt über Flohkisten, so der Name der ersten Kinos, und Mischket Liebermann wollte sich nicht der Tradition beugen, den für sie ausgesuchten Mann zu ehelichen, und rannte von zu Hause weg. Von einer Freundin lernte sie den Beruf der Näherin und half später auch anderen Ausreißerinnen, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Bekannt wurde sie als Verfasserin des Werkes "Aus dem Ghetto in die Welt". Nach einer guten Stunde Fußmarsch endet die Expedition mit dem Thema "Frauenbewegung gegen den §218" vor dem Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz. Plötzlich wird den Frauen die Kälte bewusst, in der sie sich aufhalten. Nach einem Dankeschön für den unterhaltsamen Nachmittag zerstreut sich die Gruppe schnell in alle Richtungen. |
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| "Loben Sie mich als Frau…" | ||||||
Die Geschichtserzählung setzen beide Freiberuflerinnen populärwissenschaftlich um. "Die Führungen sollen nicht nur für Studierte sein, sondern allen Spaß machen", begründet Claudia von Gélieu. Die Recherchen zu ihrem Angebot sind allerdings streng wissenschaftlich und gestalten sich mitunter schwierig. Mit detektivischem Spürsinn forscht sie in Archiven und Büchern oder befragt Zeitzeugen, bis sie an dem Ort angekommen ist, an dem eine Frau Geschichte geschrieben hat.
Entwickelt haben sich die Frauentouren aus konventionellen Stadtführungen. Schon im Studium der Politikwissenschaften an der FU Berlin fehlten Claudia von Gélieu die Frauen in der Geschichtserforschung. "Frauengeschichte habe ich dann auch in den Führungen vermisst, die ich für ein Reiseunternehmen geleitet habe", beschwert sie sich. "Dann habe ich mich mit der Idee der Frauentouren einfach selbstständig gemacht." Das war 1991. Auch Bücher hat sie im Zusammenhang mit ihren Rundgängen geschrieben. "Die Teilnehmerinnen waren unglücklich, dass sie sich nicht immer alles merken konnten, was ich ihnen erzählte." Ihr aktuelles Werk heißt "Loben Sie mich als Frau…" und bietet die Hintergründe zu ihren Touren. "Lieber ist mir allerdings der Umgang mit Menschen und das Erzählen als einsam an einem Buch zu arbeiten." Claudia von Gélieu’s zweites Standbein sind Computerkurse. Hier nimmt sie Frauen die Angst vor der Technik und vermittelt den Umgang mit Windows, Word und dem Internet. Sich selbst hat sie außerdem das Webdesign beigebracht. Sie gestaltet den Auftritt von Frauentouren im Internet. |
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| Ein Netzwerk von Geschichtsdetektivinnen | ||||||
| Claudia von Gélieu und Beate Neubauer gehören dem bundesweiten Netzwerk zur Frauengeschichte vor Ort an - "Miss Marples Schwestern". Der Name für den Zusammenschluss von Gruppen, Projekten, Vereinen und Einzelfrauen basiert auf der teilweise akribischen Kleinarbeit, die notwendig ist, um Frauengeschichte aufzudecken.
Das Gründungstreffen fand 1990 in Berlin statt. Seitdem treffen sich die Netzwerkerinnen jedes Jahr in einer anderen Stadt. Natürlich gehen die Mitglieder während der drei Tage dauernden Treffen auf gemeinsame Ortserkundung. Das Netzwerk wächst und erstreckt sich mittlerweile über Deutschlands Grenzen hinaus bis nach Österreich und die Schweiz. In über 50 Städten können Neugierige den Spuren von Frauen in unserer Geschichte folgen. |
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| 26.02.2003 | ||||||
| © by dieberlinerin 2003 | ||||||
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