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| Wellness-Konzertsaal Liquidrom | ||||||
| Klangvolles Kochsalzbad | ||||||
| Ula Brunner |
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| Ein Konzertsaal, gefüllt mit körperwarmem, solehaltigem Wasser. Darin treiben träge die Zuhörer in Bikini und Badehose. Und lauschen einer Musik, die vom feuchten Element in die Gehörgänge gespült wird. Das Berliner Liquidrom ist ein Wellnesstempel, der klangvoll den Alltagsstress vergessen macht. |
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| Karge Nüchternheit | ||||||
Keine Fächerpalmen, kein heller Marmor, kein Springbrunnengeplätscher. Nachdem wir das Drehkreuz am Eingang des Liquidroms passiert haben - schlichtes Grau, wohin das Auge schaut. "Das sieht ein bisschen aus wie im Bunker", sagt meine Freundin. Sichtbeton an den Wänden, Böden aus ungeschliffenem Granit, abgedunkeltes Licht. In der kargen Nüchternheit dieses Thermalbads wirkt der leuchtend-gelbe Eintrittschip in unserer Hand wie ein hoffnungsvoller Farbfleck. "Der ist ganz wichtig", hat uns die nette Brasilianerin an der Rezeption erklärt, "damit kommen Sie rein und raus."Erst mal sind wir drin im Liquidrom. Ein futuristisch anmutender Badetempel, mitten im hektischen Herzen Berlins, der "ozeanisches Musikerleben in der Schwerelosigkeit" verspricht. Am Anhalter Bahnhof, neben dem schon legendären Kulturzentrum Tempodrom, lockt das Liquidrom seit Mai 2002 erholungsbedürftige Großstädter und neugierige Touristen mit Unterwassermusik, "Liquid Sound", an. Bereit, den Alltag hinter uns zu lassen und in "Licht und Musik" zu baden, sind auch wir gekommen. |
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| Aquatischer Musikgenuss | ||||||
| "Liquid Sound - bitte schweigen." Stumm folgen wir dem Hinweis ins Herzstück des Liquidroms. Ein abgedunkeltes Kuppelbad mit einem runden Außenfenster im Zenit. Grüne, rote, gelbe Lichtströme tanzen träge über der Wasseroberfläche. Sanft gleiten wir in das körperwarme, solehaltige Wasser. Um uns herum trancehaft treibende Mitmenschen. Einzelne, Paare – alle in der Rückenlage. Auch wir beginnen recht bald in der Horizontalen zu schweben. Archimedes fällt mir ein. In der Badewanne entdeckte der griechische Mathematiker vor 2000 Jahren, quasi im Selbstversuch, warum wir beim Schwimmen nicht untergehen. Weil nämlich jeder Körper im nassen Element scheinbar genauso viel Gewicht verliert, wie die von ihm verdrängte Flüssigkeit wiegt. Hier tut der Salzgehalt das seinige dazu. "Wie im Toten Meer", flüstert meine Freundin. "Das ist Kochsalz", erklärt man mir später an der Bar den Mineraleffekt. Ich lasse den Kopf nach hinten sinken. Schon strömt in die Gehörgänge nicht nur Flüssigkeit, sondern reiner Klang: Sphärischer Elektronik-Pop. Musikalisch nicht unbedingt mein Geschmack, aber schön, angenehm entspannend. Ich treibe in einem Meer von Tönen, höre pfeifende Delphine, Walgesänge und gregorianische Männerchöre. Mein Körper ist durchdrungen von Musik, ein Klangkörper. Ach ja. Ich fühle mich getragen, geborgen, futuristisch fötal. Im Mutterleib einer fernen Galaxie. Meine Freundin seufzt wohlig, als sie an mir vorübergleitet. Um uns herum Mit-Treibende, die Augen im stummen Genuss geschlossen. Regressiv? Vielleicht, aber so wohltuend. |
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| Klangvolle Technik | ||||||
| Als "Mischung aus Kathedrale und Grotte" bezeichnet Liquid Sound-Erfinder Micky Remann sein meditatives Gesamtkunstwerk. Natürlich ermöglicht modernste Technik die musikalische und spirituelle Anreicherung des Solebades. Zwölf Unterwasserlautsprecher, acht Klangsäulen über Wasser und computergesteuerte Lichtinstallationen sorgen für sphärische Stimmung. Der "Liquid Sound" kommt von der CD und einem DJ, der ab und zu in seiner Glaskabine über dem 130 Quadratmeter großen Liquid-Sound-Becken erscheint. Während der Woche gibt es einen Entspannungsmix aus Elektropop, Walgesang oder Barockklängen, Freitags Klassik und Samstags Techno. Veranstaltungshighlights sind die "Wet Stage", bei der Performance-Künstler und Musiker am Beckenrand auftreten, und das monatliche Vollmondbaden bis zwei Uhr morgens. "Die Klangeigenschaften von Wasser eignen sich für unsere Ohren viel besser als die von Luft", behauptet Micky Remann. "Es gibt keine Hall- und Echostörungen, sondern ein kristallklares 360-Grad-Aqua-Dolby-Surround-Erlebnis." Er muss es wissen. Der Schriftsteller, Musiker und Künstler beschäftigt sich seit Jahren mit Unterwassermusik. Im thüringischen Bad Sulza hat er mit großem Erfolg sein Liquid Sound Konzept zum ersten Mal verwirklicht. "Auch in Berlin wird das Liquidrom gut angenommen", sagt die Niederlassungsleiterin Tina Niederbacher, schweigt sich jedoch über genaue Zahlen aus. Sicher ist: Die Location hat sich als aqua-kulturelle Komplettierung zum Tempodrom etabliert. Für Micky Remann ist Deutschland nur der Anfang. "Auf allen fünf Kontinenten" will er schwimmende Konzertsäle errichten. |
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| Zeitiges Ende | ||||||
Ozeanisches Musikerleben macht durstig. An der langgezogenen Bar schlürfen meine Freundin und ich zum Abschluss ein großes Glas Apfelsaft. 15 Euro haben zwei Stunden klangvoller Innenschau gekostet. Nicht gerade billig, aber überschaubar. Neben dem Liquid-Sound-Becken beherbergen die minimalistischen, betont sachlichen Räume Saunen, Massagesalons und ein Außenbecken. Die betont nüchterne "asiatische" Gestaltung will das "innere Erleben" fördern, erklärt uns die freundliche Bedienung. Falls wir mehr wollten als baden in Licht und Wasser, erklärt uns ein Plastikschild auf dem Tresen, können wir uns für 28 Euro von Damen massieren lassen, die so sphärische Namen wie Meera, Nirvana oder Sansara tragen. "Mehr", sagt meine Freundin, "kann uns im Moment auch Meera nicht bieten." Als wir, zufrieden und entspannt, unseren gelben Eintritts-chip zücken, um den granitgrauen Badetempel zu verlassen, streikt das Drehkreuz. "Sie haben um drei Minuten überzogen", informiert uns der Nachzahlautomat und fordert vier Euro ein. Auch Oasen der Zeitlosigkeit werden auf dem harten Boden der Realität errichtet. |
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| 26.02.2003 | ||||||
| © by dieberlinerin 2003 | ||||||
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