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| Deutschlands älteste Schokoladenfabrik | ||||||
| Süße Verführung mit Tradition | ||||||
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Maike Mattern |
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| Halloren, das klingt - zumindest für ostdeutsche Ohren - nach Nostalgie. Auch Ex-Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher drückte sich als Knirps die Nase am Fabriktor platt. Mittlerweile hat er sogar einen Ehrenschlüssel zu Deutschlands ältester, noch produzierender Schokoladenfabrik, die im kommenden Jahr auf eine 200-jährige Firmentradition zurückblicken kann. |
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| Mundraub erlaubt | ||||||
| Halle an der Saale, keine zwei Autostunden von Berlin entfernt. Tristesse empfängt den Besucher in der mit 250.000 Einwohnern größten Stadt Sachsen-Anhalts. Einem Bundesland, das mit über 20 Prozent Erwerbslosen einen traurigen Spitzenplatz in der Arbeitslosenrangliste einnimmt. Halb zerfallene Häuser, die nach Farbe schreien, und tiefe Schlaglöcher begleiten den Weg in die Delitzscher Straße. Hier soll sich eine der modernsten Schokoladenfabriken Europas befinden?
"Nach der Statistik essen Männer mehr Süßigkeiten als Frauen, doch hier bei uns ist es eher umgekehrt", berichtet König. Ein dezenter Blick lässt Zweifel an seinen Worten aufkommen. Rank und schlank sitzen die Holloren-Sekretärinnen hinter ihren Schreibtischen. Auch die Damen im Fabrikverkauf hinterlassen keinen allzu üppigen Eindruck. Eine hereinströmende Gruppe gibt zumindest der Statistik Recht. Nach anfänglichem Zögern greifen vor allem die Herren der Schöpfung beherzt bei den dargebotenen Kostproben zu. |
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| Essbare Silberknöpfchen | ||||||
| Nach der Wende 1989/1990 droht dem ehemaligen VEB-Betrieb Halloren das Aus. Die westdeutsche Konkurrenz scheint übermächtig, die Suche nach einem Käufer fast aussichtslos. 1992 naht Rettung. Der Wirtschaftsprüfer Paul Morzynski investiert etliche Millionen Mark in neue Produktionsstätten und im Jahr 2001 dann auch in die Modernisierung der alten Fabrikgebäude. Eine lange Tradition der Schokoladenherstellung in Deutschland wird fortgesetzt.
Urvater des Unternehmens ist August Miethe, der 1804 in Halle eine kleine Konditorei eröffnet. Ein halbes Jahrhundert später nimmt der Betrieb unter Friedrich David einen beträchtlichen Aufschwung. Unter dem Namen "David und Söhne" wird ab 1870 erstmals Schokolade selbst hergestellt, wobei die Mignon Praline weit über die Grenzen Halles hohen Bekanntheitsgrad erlangt. Dem steten Wachstum zollt die Firma 1896 Tribut mit der Errichtung eines Fabrikgebäudes in der Delitzscher Straße. Dort befindet sich der Sitz des Unternehmens noch heute. 1933 muss der Firmenname auf Veranlassung der Nazis in "Mignon Schokoladenwerke" geändert werden. Mit dem Zweiten Weltkrieg kommt die Produktion fast zum Erliegen. Die Rüstungsindustrie hält Einzug in das Fabrikgebäude. Nach dem Krieg nunmehr "volkseigen", startet der Betrieb 1952 neu durch unter dem Namen "Halloren". Markenzeichen bis heute ist die Original Halloren Kugel. Form und Namen verdankt sie den Silberknöpfen auf den Trachten der Salzwirker in Halle, den sogenannten Halloren. |
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| Wohltat nur für ostdeutsche Gaumen? | ||||||
| Schamlos nackt räkelt sie sich in der Verpackung. Erinnert mit ihrer Form an einen winzigen Negerkuss. Verführerisch lockend: der Duft nach Schokolade. Ein leichter Biss, und schon gibt die dunkle Hülle ihren Inhalt preis. Sahne-Cacao-Creme, die klassische Füllung der Halloren Kugel, quillt in die Mundhöhle. Süß, furchtbar süß, dazu - etwas verwirrend für den verwöhnten Gaumen - der Hauch einer fein herben Note.
Am Geschmack der Halloren Kugel scheiden sich die Geister. In Westen der Republik Die süße Konkurrenz ist seit der politischen Wende immens gewachsen, doch verdrängen konnte sie das alte Ostprodukt nicht. Seit Eröffnung des Schokoladenmuseums im Mai 2002 pilgern nun vor allem ehemalige DDR-Bürger zu der in neuem Glanz erstrahlenden alten Fabrikationsstätte. Tauchen ein in die Geschichte der Schokolade und nutzen die Möglichkeit, Konditoren bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen. "Ein paar mehr Besucher aus dem Westen könnten es schon sein", schätzt Olaf König, Assistent der Geschäftsleitung, die Situation realistisch ein. Für die Zukunft setzt er auf die geographische Nähe zu einer Firma, die im Zuge der Ostalgie-Welle mit ihrem Kultprodukt den Sprung über alte Grenzen hinweg bereits geschafft hat: Rotkäppchen Sekt im 50 Kilometer entfernten Freyburg. "Der Besuch beider Produktionsstätten könnte für Gruppen, die mehr als eine Tagesfahrt entfernt wohnen, ein lohnenswertes Ziel sein", so die feste Überzeugung Königs. |
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| Genscher darf endlich rein | ||||||
Unterstützung bei dem Bemühen, ihren Bekanntheitsgrad zu steigern, findet Deutschlands älteste Schokoladenfabrik bei einem in Ost und West gleichermaßen prominenten Ex-Politiker. Sein Abbild hat im Museum neben einem zehn Kilogramm schweren Hasen aus reinster Vollmilchschokolade einen Ehrenplatz gefunden. Tiefbraun - wenn auch im Vergleich zu seinem Nachbarn etwas mickrig - präsentiert es sich. Das Erkennen fällt nicht schwer: "Das ist ja der Genscher! Was macht der denn da?", rätselt eine Besucherin in unverkennbar sächsischem Dialekt.
Die Geschichte ist schnell erzählt: Sie handelt von einem kleinen Jungen aus Halle namens Hans-Dieter. Sein Schulweg führt ihn täglich an der Schokoladenfabrik in der Delitzscher Straße vorbei. Der Magen nur allzu oft leer, in der Nase die verführerischsten Düfte, reift in ihm ein kühner Plan: einmal in die Fabrik einzubrechen und sich den Bauch so richtig vollzuschlagen. Rund sechs Jahrzehnte soll es noch dauern, bis zum Entschluss der Geschäftsleitung, der kriminellen Phantasie des Ex-Bundesaußenministers entschieden entgegenzutreten. 1995 überreicht Halloren dem Ehrenbürger Halles einen Schlüssel für die Fabrik, zu der er seitdem uneingeschränkten Zutritt hat. Diese wohl eher symbolische Geste weckt Neid, insbesondere bei den jüngeren Besuchern. Schwer beeindruckt von der Anekdote möchte ein blonder Knirps nur noch eins wissen: "Wann dürfen wir da rein?" |
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| 13.03.2003 | ||||||
| © by dieberlinerin 2003 | ||||||
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