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| Geschichte der Schokolade | ||||||
| Mehr als nur eine Nascherei | ||||||
| Maike Mattern | ||||||
| Der Experimentierfreude spanischer Nonnen ist es zu verdanken, dass Schokolade heute eine beliebte Nascherei ist. Vor rund 500 Jahren veredelten sie mit Zucker ein aus Mittelamerika stammendes, bitter schmeckendes Getränk. Der süße Trunk mundete den Klosterfrauen so gut, dass ihr Bischof einen Verdacht hegte: Schokoladengenuss reize die geschlechtliche Lust. |
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| Geschenk der Götter | ||||||
Schokolade - genüsslich zergeht das Wort auf der Zunge, freudige Erwartung setzt den Speichelfluss in Gang. Die heutige Vorstellung hat allerdings so gar nichts gemein mit der ursprüngliche Bedeutung. "Xocoatl" nannten die in Mittelamerika beheimateten Stämme der Mayas, Tolteken und Atzteken ein Getränk, das sie aus Kakao und Wasser herstellten. Übersetzt heißt dies nichts anderes als "sauer, herb, würzig mit Wasser".
Das für den modernen Geschmack wohl kaum genießbare Getränk war den Ureinwohnern heilig, galt als Göttertrunk. Einer Sage nach war es der gefiederte Gott des Windes und des Mondes "Quetzalcoatl", der den Tolteken durch fleißige Ameisen die Samenkerne des Kakaobaumes schickte und ihnen die Bereitung des "xocoatl" beibrachte. Um 600 n.Chr. begannen die Mayas mit dem systematischen Anbau von Kakaopflanzen. Die aus den fleischigen Früchten gewonnenen Bohnen rösteten sie in der Sonne. Anschließend zermahlten sie diese mit Steinen. Das so gewonnene Pulver schlugen sie danach mit Wasser und Gewürzen, insbesondere Chili und Pfeffer, schaumig. Kein leichtes Unterfangen, trotzdem nahm man die Mühe gern in Kauf. Versprach das kraftvolle Getränk doch, die Manneskraft zu stärken. Aus diesem Grund soll Montezuma, der letzte Herrscher der Azteken, täglich 50 Becher des "Zaubertranks" konsumiert haben. Im Laufe der Jahre stieg der Wert der braunen Bohnen stetig, galt bei den Azteken gar als offizielles Zahlungsmittel. So bekam man im Jahre 1545 für 200 Kakaobohnen einen Truthahn, für 100 ein Wildkaninchen. Mehr war auch ein Sklave nicht wert. Ein in Maishüllen gewickelter Fisch wechselte für drei Bohnen den Besitzer, während große Tomaten im Verhältnis eins zu eins gehandelt wurden. |
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| Getränk der Nonnen | ||||||
| Anfang des 16. Jahrhunderts brachte der Spanier Cortez von einem seiner Eroberungszüge Kakao mit nach Europa. Doch so richtig begeistern konnte der südamerikanische Wundertrank die Europäer anfangs nicht. Der Experimentierfreude spanischer Nonnen ist es zu verdanken, dass Schokolade dennoch heute in aller Munde ist. Sie kochten eine Mischung aus Kakaobohnen, Vanilleschoten, Honig oder auch Rohrzucker zusammen auf.
1615 kam erstmals der französiche Hof in den Genuss der flüssigen Köstlichkeit. Von dort verbreitete sie sich sprunghaft in ganz Europa. Zunächst nur den Reichen und Adligen in London und Paris vorbehalten, eröffneten nun immer mehr Schokoladenhäuser. Ende des 17. Jahrhunderst schwappte die Welle der Begeisterung auch nach Deutschland. Die Freude am mittlerweile erschwinglicheren Getränk währte nicht lange. 1704 führte Friedrich von Preußen eine Schokoladensteuer ein. Als Folge fristete die Schokolade nun ihr Dasein vorwiegend als teure Apothekerware. Ihre Wirkstoffe galten als Heilmittel zum Beispiel gegen Husten, Schwindel und Magenbeschwerden. Doch noch weitere Eigenschaften wurden ihr nachgesagt: "...stärket den Lebensbalsam und reizet zum Beyschlaff." |
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| Genussmittel der Deutschen | ||||||
| War es ihr Geschmack oder die ihr nachgesagte wundersame Heilkraft? Der Siegeszug der Schokolade in Deutschland war nicht mehr aufzuhalten. Anfang des 19. Jahrhunderts gab es bereits mehr als zehn Fabriken und über 1000 Konditoren. 50 Jahre später hatte Deutschland den Spitzenplatz der Kakao konsumierenden Länder in Europa erreicht. Doch erst mit Beginn der Massenproduktion nach dem Zweiten Weltkrieg hielt die Schokolade Einzug in alle Haushalte. Wurde zum günstigen Naschwerk für jedermann.
Auch heute wird in kaum einem Land so viel Schokolade wie in Deutschland verzehrt. Trumpf, Sarotti, Sprengel, Ferrero Rocher oder auch Ritter-Sport, die vielleicht bekanntesten Marken, befriedigen mit guter Qualität auf niedrigem Preisniveau die süße Lust. Wer einen verwöhnteren Gaumen hat, muss für Produkte zum Beispiel von Leysieffer, Hachez und Feodora schon etwas tiefer in die Tasche greifen.
US-Amerikaner und Briten bekennen sich dagegen eindeutig zur süßen Milchschokolade. Eine beliebte Vertreterin in den USA sind die "Kisses", hergestellt von der Firma Hershey`s. Die Briten schwören vor allem auf Schokolade von Cadbury`s, was nicht gerade für eine feine Zunge spricht. Gegen den süßen Trend auf der Insel stemmen sich erfolgreich "Bittermints" und die in Deutschland beliebten "After Eight". Noch viele Schokoladen aus aller Welt hätten es verdient, erwähnt zu werden. Es lohnt sich, auf kulinarische Entdeckungsreise zu gehen und insbesondere die Produkte regionaler Hersteller zu kosten. |
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| 13.03.2003 | ||||||
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