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  Barbara John  
  "Erfolg hängt nicht von der Hautfarbe ab"  
     
  Andrea Schippke

Ihre Tage in der Potsdamer Straße sind gezählt. Nur noch bis Ende Mai wird Deutschlands erste und dienstälteste Ausländerbeauftragte amtieren. Das Angebot der 65-Jährigen, noch zwei Jahre lang ehrenamtlich zu arbeiten, hat der Berliner Pleite-Senat abgelehnt. Barbara John blickt auf eine lange Karriere zurück, in der sie entscheidende und weitreichende Erfolge erringen konnte.
 
   
  21 Jahre Ausländerbeauftragte  
     
  "Die Beständigkeit und Kontinuität ist es, die den Erfolg einer solchen Dienststelle ausmacht", sagt die gebürtige Berlinerin und zählt einige der größten Erfolge ihrer Laufbahn auf. An vielen gesetzlichen Verbesserungen hat sie mitgewirkt, etwa an der Einrichtung einer Härtefallkommission in Berlin. Und seit Anfang der 90er-Jahre gibt es in ihrem Haus eine Arbeitsgruppe gegen Diskriminierung. Dann nennt sie die vielen Einbürgerungen in der Stadt. "Über Jahrzehnte hatten wir immer die höchsten Einbürgerungsquoten in ganz Deutschland." Richtig stolz ist Barbara John auf das multikulturelle Zentrum in Berlin-Neukölln, die "Werkstatt der Kulturen". Diese Begegnungsstätte hat sie bereits im zweiten Jahr ihrer Dienstzeit mit Unterstützung des damaligen Regierenden Bürgermeisters Richard von Weizsäcker aufgebaut.

Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit bilden auch die zahlreichen Projekte von Einwanderern und Einwanderinnen, die die Ausländerbeauftragte fördert. Ein sehr erfolgreiches Projekt ist "Hinbun", das seit über 20 Jahren existiert und Bildungsmöglichkeiten für kurdischstämmige Frauen bietet. Oder "TIO" (Treff- und Informationsort für türkische Frauen e.V.), eines der ältesten. "TIO hat eine Metamorphose von einem rein sozialen Projekt zu einem Projekt mit wirklich qualifizierter beruflicher Ausbildung gemacht." Und ihr Lieblingsprojekt? "Ich liebe alle! Alle Projekte, die ich finanzieren kann", ruft sie  lachend aus.

 
   

 
     
  Erfolgs-Hindernisse  
     
  "Es gibt weder die ausländischen Frauen noch gibt es den Erfolg", konstatiert Barbara John. Insgesamt hänge der Erfolg weder von der Nationalität, der Herkunft oder Hautfarbe ab, sondern von der persönlichen Biografie. "Im Bereich der Werbung sind zur Zeit Models aus nicht-europäischen Ländern sehr gefragt. Dies ist natürlich kein Massenberuf", sagt John. Ganz anders sieht es bei der großen Mehrheit aus. Eine große Hürde, die den ausländischen Frauen den Weg zum Erfolg versperrt, ist die nicht ausreichende Schulbildung. "Die Mädchen werden von ihren Eltern einfach nicht gefördert, weiterführende Schulen zu besuchen und ihre Fähigkeiten zu entwickeln", beklagt Berlins  Ausländerbeauftragte. Obwohl es gerade Mädchen aus Migrantenfamilien sind, die in der Schule bessere Leistungen zeigen als die Jungen.

Ein entscheidendes Hindernis für Ausländerinnen ist das Erlernen der deutschen Sprache. Sie sind hier geboren und aufgewachsen und trotzdem weitgehend abgeschottet von der deutschen Gesellschaft. Dies weiß Barbara John aus vielen Gesprächen mit türkischstämmigen Frauen. Manche von ihnen haben erst mit Mitte 30 den Kontakt zu Deutschen gefunden. Bis dahin haben sie sich ausschließlich in einem türkisch sprechenden Umfeld bewegt. Erst die Familie, dann der Kindergarten. In der Grundschule war die Mehrheit der Kinder auch wieder türkischer Herkunft. Nach dem Hauptschulabschluss folgt die Lehre im türkischen Friseursalon. "Das sind gewaltige Hürden, die einem eine durchschnittliche berufliche Karriere fast unmöglich machen, ein Leben lang", erklärt sie sichtlich bewegt.

 
     
  Kulturelle Barrieren  
     
  Neben der mangelnden Förderung in der Schule stehen auch Ehemänner den Frauen im Wege. Bei ihnen herrscht oft die Vorstellung, dass Frauen mit dem Aufziehen der Kinder, der Versorgung der Familie und der Pflege verwandtschaftlicher Beziehungen voll ausgelastet sind. Eine berufliche Karriere wird dabei nur als störend empfunden. Doch dies ändert sich langsam. "Viele junge Frauen zeigen, dass sie beides miteinander vereinbaren können, sofern es gesellschaftliche Unterstützung gibt", erklärt Barbara John.

Leider sei bei muslimischen Frauen auch das Kopftuch hinderlich. "Wir haben, was die Darstellung religiöser Bekenntnisse in der Öffentlichkeit angeht, hier in Deutschland eine erschreckend niedrige Toleranz. Das muss besser werden", sagt sie energisch. Frauen, die ein Kopftuch tragen, würden etwa bei Bewerbungsgesprächen mit Skepsis, ja sogar innerer Ablehnung betrachtet, trotz ihrer beruflichen Qualifikationen. Das regt Barbara John ziemlich auf. "Dies ist die Reduktion einer Frau mit ihren vielen Fähigkeiten auf ihre religiöse Zugehörigkeit. Das ist eine soziale Diskriminierung, wie man sie stärker kaum finden kann", meint sie.

 
     
  Die Zukunft  
     
  Sich zur Ruhe zu setzen, daran denkt Barbara John noch lange nicht. Die ausgebildete Lehrerin möchte dort wieder anknüpfen, wo sie vor ihrer Dienstzeit als Ausländerbeauftragte beschäftigt war: in der Pädagogik. Dass sehr viele Kinder aus Einwandererfamilien ohne wirklich gute Deutschkenntnisse die Schule verlassen, "das muss verändert werden", fordert John. Und genau da sieht sie ihre zukünftige Aufgabe. Sie will ein Kompetenz-Zentrum für das Fach Deutsch als Fremdsprache aufbauen. Ansätze gibt es an Berlins Universitäten schon, nur eben die nötige Vernetzung noch nicht. "Was wir dringend brauchen, sind Qualitätsstandards: Was lernen die Kinder, erwerben sie ausreichende sprachliche Fertigkeiten?" An der Entwicklung solcher Standards möchte sich die Pädagogin beteiligen. "Das ist eine erhebliche Arbeit", und viel Freizeit wird die noch amtierende Ausländerbeauftragte wieder nicht haben. Doch darauf legt sie ohnehin keinen Wert. "Das bin ich auch gar nicht gewöhnt", murmelt sie.


 

 
     
   
     
   
     
   
     
 
 
   
  25.02.2003  
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