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Wir - Frauen, Leben, Karriere
     
   
  Die Macht der Stimme  
  Hört man Ihnen zu?  
     
  Ute Bahns

"Sich gut verkaufen" – das will gelernt sein. Stolperstein einer Karriere kann die Stimme sein. Wer den Ton angeben will, muss den richtigen Ton treffen, sonst geht er leer aus. Fachfrauen erzählen, wie man das macht.
 
   
  Powern statt piepsen  
     
  "Wissen braucht Einwickelpapier und Schleife", so Ulrike Pahl, Mitinhaberin und Trainerin des Berliner Instituts für Sprech- und Stimmbildung (biss). Sie weiß: In Reden kommt es oft mehr auf die Verpackung an als auf den Inhalt. Wer eine interessante Rede hält, hat beim Publikum noch lange nicht gewonnen. Alles muss stimmen: Mimik und Gestik, Stimme und Atmung, Präsentation und Inhalt.

Pahls Metier ist die Stimme. "Die Bedeutung der Stimme und ihres Klanges wird oft unterschätzt", sagt sie. Wer viel zu sagen hat und dieses mit leiser, schüchterner Stimme tut, wird wenig ernst genommen, weil man Unsicherheit und  Inkompetenz heraushört. "Das A und O" des erfolgreichen Redens ist deshalb: mit der Stimme powern. Und das geht nur mit der richtigen Atmung.

"Nur wer klar spricht und die richtige Tonlage – die Mitte der Tonlagenskala  – trifft, hat Erfolg", sagt die Expertin. Wer allerdings eine sehr hohe oder sehr tiefe Tonlage hat, lenkt den Zuhörer vom Inhalt ab. Eine tiefe Stimme strahlt Ruhe und Verlässlichkeit aus, eine hohe Stimme signalisiert Ängstlichkeit oder Aggressivität. Die Stimme als Spiegel der Seele.

 
     
  ÄÄÄs und ÖÖÖs  
     
  Ins richtige Lot werden die Töne durch Übungen gebracht. "Fischers Fritze" und diverse ÄÄÄs und ÖÖÖs üben das Artikulieren. Ballhüpfen trainiert das Zwerchfell und das Atmen wird leicht. Richtiges Sitzen sorgt für Resonanz in der Stimme. "Sprechen ist tönendes Ausatmen", erklärt die Sprechlehrerin. Die Menschen sind oft erstaunt über den neuen Klang der eigenen Stimme. Trainiert wird unter anderem auch der Einsatz der Hände beim Sprechen. Ziel ist, die Aussagekraft der Worte zu unterstützen. Wort und Gestik sagen dann das Gleiche. Ein "lächelnder Mund" – die Mimik des Gesichts – veranlasst zum Zuhören. Denn: Wer hört schon freundlichen Worten zu, wenn es dazu ein verbissenes Gesicht gibt?

Manager, Architekten, Bankangestellte, Schauspiel- und Gesangsschüler – Menschen aller Berufssparten im Alter von 18 bis 60 Jahren - kommen ins Biss. 70 Prozent der Lernenden sind Frauen, sie haben erkannt: Reden ist Gold, nicht schweigen. Der Frosch im Hals –"Ich kann jetzt nichts sagen"- und die Schmetterlinge im Bauch – "Vor lauter Aufregung versagt die Stimme" - werden von Ulrike Pahl und ihrem Team von sieben Mitarbeiterinnen zur Strecke gebracht.

 
     
  "In der Kürze liegt die Würze"  
     
  Politiker dürfen schwafeln, Banker müssen Klartext reden. Reden und sich in Szene setzen, das muss gekonnt sein. "Gut  im Job sein, das reicht schon lange nicht mehr", sagt Cäcilia Müller, Psychologin für Arbeit an der Freien Universität Berlin. Reden als Qualifikation für den Beruf ist heute ein "Muss". Wer überzeugend reden kann, ist interessant für andere und erntet Anerkennung und Erfolg. Aber: "Sich gut verkaufen", erklärt die Fachfrau für Rhetorik, "dazu gehört noch mehr." Ein gekonnter Auftritt – der Zuhörer durchschaut Bluff, Ehrlichkeit muss rüberkommen - und eine überzeugende Ausstrahlung zählt dreifach für die Bewertung der Redekunst.

Doch auf den Inhalt kommt es trotzdem an. Die Fachliteratur ist sich da einig: Kurz und treffend soll vorgetragen werden. "Say it in six", also "Sag es in sechs Minuten" – die Devise der Erfolgreichen. "Die Frauen setzen eher auf Qualität", berichtet Müller. Sie sind diejenigen, die zuhören und anknüpfen an das Gesagte. Männer dagegen greifen gerne das Gehörte auf und verkaufen die Idee als eigene. Sie machen oft die bessere Show. Lange reden und im Mittelpunkt stehen wird bei den Männern häufig als Qualität angesehen.

 
     
   
     
   
     
   
     
   
     
   
     
 
 
   
  26.02.2003  
  © by dieberlinerin 2003  
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Rönnestraße 22
14057 Berlin-Charlottenburg

Tel. 030-32 10 37 11

www.biss-berlin.de
 
     
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